Frankreich & Pestizide

Frankreich streitet über Pestizide
Kämpferischer Bürgermeister Daniel Cueff

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Ein grauer Oktobermorgen in Rennes, Hauptstadt der Bretagne in Frankreich: Die Menschen hier haben sich versammelt, um Daniel Cueff, den Bürgermeister des Ortes Langouët zu unterstützen. Er steht vor Gericht, weil er in seiner Gemeinde das Versprühen von Pestiziden 150 Meter von Wohnhäusern entfernt verboten hat. Nach Ansicht der Präfektur steht eine solche Entscheidung aber nicht einem Bürgermeister, sondern dem Staat zu.

Kämpferischer Bürgermeister: „Die Republik muss die Anwohner in jedem Fall vor synthetischen Pestiziden schützen“, ruft Cueff den Menschen zu.

Die Bevölkerung macht sich zusehends Sorgen über mögliche schädliche Auswirkungen von chemischen Spritzmitteln. Cueff: „Es ist äußerst schwerwiegend, wie die Menschen heutzutage vergiftet werden. (…) Ich wollte zeigen, dass es beim Spritzen von Pestiziden unmittelbare Gefahren gibt. Da der Staat das nicht geschafft hat, müssen wir das Vorsichtsprinzip anwenden, das in der Verfassung steht“, betont er.

Die Bürgermeister anderer französischer Gemeinden haben sich Cueff angeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt wussten sie noch nicht, dass das Gericht Cueffs Pestizidverordnung rückgängig machen würde – ebensowenig die Bauern, die mit ihren Traktoren aufgefahren waren.

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[…] Rund 50 Kilometer von Langouet entfernt lebt Catherine Fargeas. Ihr Leben änderte sich erheblich, als die Wiesen in der Nähe ihres Hauses in Getreidefelder umgewandelt wurden. Sie zeigt uns die Umgebung. „Das ist ein Feld, das mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wird. Rund zwei Hektar. Mein Haus steht da. Der Hof liegt in einer Senke, dort sammelt sich das Regenwasser, die Mittel und die Gülle. Jedes Jahr, seit neun Jahren“, sagt Fargeas.

Bei ihr wurden mehrere gutartige Gewächse festgestellt, sie hat Allergien und Hormonstörungen. Ihre Tochter leidet seit fünf Jahren an einer Atemwegserkrankung. Einen Beweis, dass diese Leiden auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Umgebung zurückzuführen sind, gibt es nicht. Doch Catherine Fargeas und ihr Hausarzt sind sich sicher: Es liegt an den Pestiziden. „Erst im Juni 2018 haben wir erstmals von einer Vergiftung der Umwelt gehört“, so Fargeas.

Sie hat den Besitzer der Anbauflächen und das Unternehmen, das für den Pflanzenschutz zuständig ist, verklagt. Sie wirft den Behörden Unttätigkeit vor und ist strikt gegen die Regelung, derzufolge ein Mindestabstand zwischen Feldern und Wohnflächen von fünf bis zehn Metern ausreiche.

„Ich kann nicht hinnehmen, dass Leute und selbst die Regierung sagen, dass man bei einem Abstand von fünf Metern beim Spritzen kein Risiko eingehe. Die Mittel werden neun Meter von uns entfernt gespritzt, und wir sind verseucht. Das hat unser Leben zerstört“, sagt Fargeas. Sie sieht für sich nur eine Lösung: „Das Wichtigste ist, hier wegzukommen und zu versuchen, wieder gesund zu werden, denn wir wissen, dass es hier nur schlimmer werden kann.“ […]

1 Kommentar

  1. Jörg Broschkat

    “ Es geht auch mit einem absolut geringen Einsatz von Agrargiften“
    Es besteht seit vielen Jahren die Möglichkeit durch eine konsequente, natürliche Boden und Pflanzenpflege den Einsatz von Pestiziden auf ein Minimum zu reduzieren. Ähnlich wie bei e-mobilen ( seit den 60er Jahren ) ist dies von der Industrie nicht gewollt. Ob Wein,- Obst oder Getreide, es ist möglich. Ich informiere interessierte gern über diese einzigartige, nachhaltige Möglichkeit zum Schutz von Erde,- Wasser,- Luft,- Pflanze,- Tier und Mensch.

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